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Südafrika plant den großen Naturschutz-Coup

Mit beispielhaften Schutzprojekten beweist Südafrika seit einigen Jahren Mut und Verantwortung gegenüber der Mitwelt. Das neueste Vorhaben: Die Erweiterung des Addo Elephant National Park zu einem einzigartigen Big 7-Reservat.

Text und Fotos
Ulrich Stefan Knoll

nahaufnahme

Addo Elephant National Park, Februar 2003

Wenige Jahre nach dem unblutigen Ende der Apartheid schreitet Südafrika auch im Naturschutz voran und zeigt bemerkenswerte Anstrengungen. Es sieht ganz so aus, als ob man sich am Kap den internationalen Verträgen zum Schutz der Artenvielfalt in der Folge des Umweltgipfels von Rio de Janeiro besonders verpflichtet fühlt. Wegweisend war bereits im Jahr 1999 die Einigung Südafrikas und Botswanas, ihre beiden Nationalparks in der Kalahari-Wüste zu einem grenzübergreifenden Schutzgebiet zusammen zu legen - dem Kgalagadi Transfrontier Park. Mit rund 38000 Quadratkilometern immerhin fast so groß wie die Schweiz.

Ein weiterer Meilenstein dürfte die länderübergreifende Erweiterung des Kruger National Parks werden. Im Dezember 2002 verkündete Südafrikas Minister für Umwelt und Tourismus, Mohammed Valli Moosa, dass der Vertrag zur Gründung eines gemeinsamen Nationalparks mit Mosambique und Zimbabwe noch im selben Monat von den Staatsoberhäuptern unterzeichnet werde. Die drei Länder sind entschlossen, die bestehenden Nationalparks Kruger National Park (Südafrika), Limpopo National Park (Mosambique) und Gonarezhou National Park (Zimbabwe) zu einem Dreiländerschutzgebiet zu fusionieren.
Wenn das Projekt "Peace Park" gelingt, wird der Zusammen-schluss in den gigantischen Great Limpopo Transfrontier Park münden. Dessen Ausmaß entspräche mit 35000 Quadratkilometern etwa der Fläche Baden-Württembergs.

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Doch im Naturschutz klappt nicht nur die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern gut, auch innerhalb Südafrikas gibt es neue große Pläne zum Schutz bedrohter Arten. Das jüngste Beispiel ist der Addo Elephant National Park im Süden des Landes: Geplant ist eine Erweiterung zum Greater Addo Elephant National Park, die Schutzfläche soll demnach um das Vierfache auf 4900 Quadratkilometer ansteigen. Damit würde der Addo zum drittgrößten Schutzgebiet Südafrikas.

Was in der Eastern Cape Provinz 1931 fast mit einer Tragödie endete, könnte so rund 75 Jahre später zu einem international vielgeachteten Eldorado für die afrikanische Tier- und Pflanzenwelt werden. Anfang des vergangenen Jahrhunderts hatte zunehmende Farmwirtschaft dazu geführt, dass in der Region massenweise Elefanten gejagt und geschossen wurden, da sie den Farmern und deren Anbauflächen zu nahe kamen. Wenige der Großsäuger überlebten. Der Addo Elephant National Park fing daher 1931 ganz klein an - auf 22 Quadratkilometern fanden die letzten elf Eastern-Cape-Elefanten Schutz und Heimat. Bis zum heutigen Tag konnte sich die Population auf 346 erholen und weitere bedrohte Arten wie Spitzmaulnashorn, Kaffernbüffel und Leoparden finden auf mittlerweile 1250 Quadratkilometern einen Lebensraum.

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Viel bemerkenswerter als seine jetzige oder zukünftige Ausdehnung wird jedoch seine Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz sein: der Addo soll der erste "Big-7"-Park Afrikas werden. Neben den klassischen "Big-5" (Elefant, Löwe, Büffel, Leopard und Nashorn) werden mehrere Wal-Arten und der Große Weiße Hai zu den Aushängeschildern gehören. Dazu kommt eine Vielzahl bedrohter Arten, darunter nicht wenige, die weltweit nur in dieser Region existieren (so genannte ende-mische Arten).

In Zukunft werden hier fünf der sieben grossen Lebensraumtypen Südafrikas repräsentiert sein. Der Park wird sich von der Berglandschaft im Landesinneren über die Savannen- und Graslandschaften des Flachlandes bis hin zu den Dünen des Alexandria Costal Dunefelds erstrecken. Landschaftstypen wie die Ausläufer der Nama-Karoo-Halbwüste und die dichten Buschlandschaften, für die der Addo jetzt schon bekannt ist, gehören ebenfalls dazu. Ein besonderes Highlight ist das geplante etwa 1000 Quadratkilometer große Meeresschutzgebiet, das den Park bis in den Pazifik hinaus ausdehnt. So würde der Schutz von Wal-Arten, Haien und zahlreichen Vogelpopulationen möglich. Ein wichtiger Schritt, da Küstenbereiche im südlichen Afrika bislang kaum effektiv geschützt werden.
Der Greater Addo würde einen Schutzkorridor von etwa 200 auf 30 Kilometer bilden und durch seine Vielfalt zum einzigar-tigen Naturerlebnis in Südafrika werden.

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Doch bis es so weit ist, gilt es noch viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Ein derart groß angelegter Eingriff in das regionale Gefüge zieht zwangsläufig schwerwiegende Folgen nach sich.
Um die Auswirkungen besser abschätzen zu können, läuft seit 2001 eine Machbarkeitsstudie (Strategic Environmental Asessment). Finanziert wird diese überwiegend von der Global Environment Facility (GEF)in Zusammenarbeit mit der Weltbank. So konnten bislang in einer ersten Phase alle naturschutzrelevanten und sozio-ökonomischen Daten des Planungsgebiets zusammengeführt werden. Durch den Einsatz moderner Geographischer Informationssysteme (GIS) wurden vorrangige Schutzzonen ermittelt und festgelegt. Eine erste Berechnung ergab, dass für die Realisierung etwa 170 Millionen Rand (rund 18,5 Millionen Euro; Stand 02/2003) veranschlagt werden. Entscheidend für die weitere Finanzierung durch GEF und Weltbank wird der Vorbericht sein, den die Südafrikanische Nationalparkverwaltung (SANP) im Augenblick zusammenstellt.

Allerdings sind noch ganz andere Aspekte von entscheidender Bedeutung. Viele Fragen sind noch offen: Inwieweit können die im Planungsgebiet lebenden Menschen, rund 3300, in das Projekt einbezogen werden? Wie können bei Landankauf die Existenzen der Farmer und ihren Angestellten anderweitig gesichert werden? Kann der Verlust an Arbeitsplätzen durch die Erweiterung kompensiert werden? Entstehen ausreichend neue wirtschaftliche und finanzielle Impulse, um der Region zum Aufschwung zu verhelfen? Und nicht zuletzt: Was passiert mit den Menschen, die umgesiedelt werden müssen? Zu diesen Themen gab es ebenfalls erste Studien, die die Chancen und Risiken auf dem Weg zum Greater Addo verdeutlicht haben.

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Die SANP muss also viele Hürden meistern, ehe die Erweiterung tatsächlich in Angriff genommen werden kann. Laut Dr. Michael Knight, Leiter der Abteilung Planung und Entwicklung im Addo, steht die Machbarkeitsstudie kurz vor ihrem Abschluss. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die Weltbank mit den vorgeschlagenen Szenarien und Konzepten einverstanden zeigt.
Der Weg ist mit der Studie aber schon umrissen. Es wurden klare Zielsetzungen erarbeitet. So muss sich der Nationalpark nach seiner Erweiterung finanziell selbst tragen, Arbeitsplätze sollen im Park selbst und indirekt, beispielsweise im touristischen Bereich, vermehrt entstehen. Nicht zuletzt sollen durch eine frühzeitige Einbeziehung der betroffenen Bürger, Kommunen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) Probleme im Vorfeld diskutiert und ausgeräumt werden.
Da die geplanten Erweiterungsflächen des Nationalparks überwiegend in privatem und landwirtschaftlich genutztem Besitz sind, wird es von entscheidender Bedeutung sein, ob und wie die betroffenen Farmer und deren Arbeitskräfte ökonomisch abgesichert werden können. Die Komplexität des Vorhabens zeigt sich im Detail.

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Sollte der große Coup gelingen, könnten die wirtschaftlich gebeutelte Eastern Cape Provinz und vielleicht auch die ärmeren Teile der Bevölkerung vom Naturschutz profitieren.

Und Südafrika würde ein Beispiel für sozial verträglichen und wirtschaftlich arbeitenden Naturschutz abgeben.

 

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