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Tanz auf den Steinen
In Plaka muss ich unbedingt die Aussicht von der Kirchenterrasse genießen. Die Bucht liegt still und blau weit unten, mit anderen Kykladen-Inseln aufs Wasser gestreut. Aber die Landschaft wartet schon wieder auf mich, diesmal verödet und steil. Um nicht auf die roten Mohnblumen zu treten, tanze ich rücksichtsvoll von einem Stein zum anderen, von summenden Bienen begleitet.
Während energischer Motorlärm verrät, dass sich ein Tragflächenboot nähert, werfen dunkle Wolken unheilverkündende Schatten auf die Bergseite. Sie erinnern mich an den Widerstand, der mir gestern begegnete, als ich ins Paradies wollte. Zwei aggressive alte Gänse und eine verwachsene weiße Ente versuchten mir den Zutritt zu verwehren. Die Ente verfolgte mich und führte im Wasser eine furchteinflößende Vorstellung auf. Mit gewaltsamen Bewegungen putzte sie sich die Federn, erhob sich in ihrer ganzen Machtfülle und schleuderte Wasser um sich.
In einem kraterähnlichen Loch taucht ein antikes Theater auf, hinter dem das Dorf Klima wie eine weiße Kulisse unten an der Küste liegt, die Rückseite einer Reihe weißer Häuser. Ich freue mich darauf, die ungewöhnlichen Fassaden wieder zu sehen, muss aber langsam hinunterklettern, da der Pfad immer steiler wird. Trotzdem bin ich unkonzentriert, weil ich die ganze Zeit nach der Treppe zum Paradies spähe, die ich schliesslich nach dem letzten Haus sichte. Ich bete darum, dass mein Paradieschen nicht besetzt sein möge.
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Am Ende des Pfades
Unten am Ufer treffen blaue Farbreflektionen meine Augen, von den hellsten zu den dunklesten, hier und da sogar ein bisschen Grün. Obwohl farbenprächtiges Holz eine griechische Tradition ist, sind die Häuser von Klima etwas Besonderes. Eine breite Holztür dominiert das Erdgeschoss, dem Fischerboot reserviert, wohingegen die Familien in den ersten Stock verwiesen sind.
Ehe ich weitergehe, stille ich meinen Hunger und Durst in der Taverne des Hotels Panorama.
Ich bin so gespannt, dass ich mir auf die Zunge beiße. Meine Unruhe überträgt sich auf die schwarzweiße Katze an meiner Seite. Sie bekommt einen Hustenanfall, als ihr ein Haarklumpen im Hals stecken bleibt. In der Taverne gab mir gestern ein Franzose den Tipp. Er hatte die kleine Treppe gesehen, die seine Frau ihm verboten hatte zu erforschen. Ich beschloss, die Treppe zum Paradies selbst zu finden.
Endlich bereit. Die Ente und die Gänse haben den Widerstand aufgegeben; sie stolzieren heute am anderen Dorfrand auf und ab. Ein Mann, der sich ein neues Haus baut, nickt freundlich und meldet freie Bahn: "Oríste!". Die fünf in den Felsen gehauenen Stufen sind völlig ungefährlich. Ich trippele um die Klippe herum und betrete eine kleine Brücke, an der mich weiche Tamariskenäste umarmen. Das Dorf ist schon außer Sicht. Schöne Fliesen führen mich zu einer weiteren Treppe, von Kakteen eingefasst. Da unten versteckt sich mein Paradies, ein Minihafen mit einem einzelnen Bootshaus.
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Nur zum Schmuck
Eine Windmühle, eine Bank und ein Leuchtturm sind im Paradies beheimatet, sowie ein Delfin und eine verblasste Meerjungfrau. Jeder hat eine besondere Funktion. Der schön ausgeschmückte Leuchtturm, auf einem Stein im Wasser thronend, ist eine Augenweide, oder wie er selber sagt: "Ich bin bloß zum Schmuck da"! Die Windmühle, genauso putzsüchtig wie der Leuchtturm, ragt mannshoch aus dem Dach des Bootshauses empor, vor Lebensfreude und Überblick strahlend. "Ab und zu bleibe ich stehen", vertraut die Mühle mir an, "aber meistens drehe ich mich lustig und schnell, voller Energie".
Eine von oben drohende Gefahr, eine senkrechte Bergwand, stört die Bewohner nicht. Besonders neugierig macht mich die Bank, die auf einem Podium vor dem Bootshaus steht. Der Delfin und die Meerjungfrau, auf das Podium gemalt, fliegen vor Freude, als ob sie sagen wollten: "Die Bank bringt Glück"! Sie hat nämlich eine romantische Funktion. Es wäre interessant ihre Geheimnisse zu hören, aber sie speist mich ab: "Diskretion ist Ehrensache"! Ein schwerer Eisenanker am Fuss der Bank verrät dann doch, dass manch ein Liebespaar hier Anker geworfen hat, im Hafen der Liebe.
Das Wasser gluckert mich in den Schlaf auf meiner Schilfmatte. Als ein lärmendes Flying Dolphin mich endlich weckt, ist es schon spät. Ein letztes Mal verweilen meine Blicke bei den mir so lieb gewordenen Bewohnern. Ich bin überzeugt, dass sie während meines Schlafes eine Kopie ihres Paradieses in meinen Sinn gelegt haben. Also kann ich ruhig losziehen, denn ich habe alles: Eine Windmühle, die mich zum Energiebündel macht, einen Leuchtturm, um den Alltag zu verschönern und eine Bank, wo das Glück wartet.
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