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Sanfte Reisen durchs wilde Transsylvanien

Transsylvanien lockt mit einer breiten Palette von Naturerlebnissen, die von Floßfahrten bis zur Beobachtung in freier Wildbahn lebender Bären und Wölfe reicht.

Text und Fotos
Dr. Anita Plattner

Pferdefuhrwerk

Wer bei Transsylvanien an Dracula denkt, gehört zum Mainstream, macht sich aber bei den Landesbewohnern eindeutig unbeliebt. So wird man umgehend darüber aufgeklärt, dass das wohl bekannteste touristische Ziel Transsylvaniens, Schloss Bran -die Tortzburg - niemals Wohnsitz des schrecklichen Grafen gewesen ist, bestenfalls ist er dort vorübergehend inhaftiert gewesen. Zumindest hierin sind sich die verschiedenen Volksgruppen - vor allem Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Donauschwaben, Ungarn und Roma - einig, die sich das Land bis heute teilen.

Vorbei auch die Zeiten, als Rumänien mobilen Ostblockstaatlern vorbehalten war und der Begriff Tourismus nur eingeschränkt auf eine Art "Balkangrill" am Schwarzen Meer angewandt werden konnte. Verzeinzelt aus dem Westen auftauchende Rucksackreisende berichteten seinerzeit über abenteuerliche Anreiseoptionen und ein mangelhaftes Angebot an Lebensmitteln und Übernachtungsmöglichkeiten. In den Hotels und Gasthäusern, sofern man sie orten konnte, fehlte es oft am Nötigsten, und deutsch- oder englischsprachige Fremden- oder Bergführer aufzutreiben war - aufgrund der rumänischen Gastfreundschaft - ein liebenswert kommunikativer, aber mitunter ausgesprochen ausgedehnter Zeitvertreib.

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Angekurbelt durch den für 2007 geplanten EU-Beitritt sind in den letzten Jahren die nötige Infrastruktur und echte touristische Kleinode entstanden. Liebevoll renovierte Pfarr- und Gasthäuser bieten ein preiswertes und romantisches Ambiente für den Genuss der siebenbürgischen K&K-Küche oder der orientalisch geprägten rumänischen Küche - und für stilechte Übernachtungen. Nicht zuletzt haben sich eine Reihe deutscher und einheimischer Reiseveranstalter auf das Angebot von Aktiv- und Naturreisen spezialisiert. Ausgangspunkte solcher Reisen sind vorzugsweise Sibiu (Hermannstadt) oder Brasov (Kronstadt), die sowohl mit einer historischen Altstadt, als auch mit ihrer Nähe zu mittelalterlichen Bauerndörfern und der karpatischen Bergwelt aufwarten können.

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Hermann Kurmes, zusammen mit seiner Frau Katharina Inhaber eines einheimischen Reisebüros, berichtet über Entstehungsgeschichte und Zielsetzung seines Unternehmens in Zarnesti nahe Brasov. Nach dem Sturz des kommunistischen Ceaucesu-Regimes 1989 ist er wie viele andere nach Westdeutschland ausgewandert, hat dort Biologie und Sport studiert und ist als Reiseleiter tätig gewesen.
Nach einem Klassentreffen in den 90er Jahren hat er wieder Kontakt zu dem einzigen nach wie vor in Rumänien lebenden Klassenkameraden aufgenommen. Dermaßen angeregt, hat er gemeinsam mit Frau und Kindern immer häufiger seinen Urlaub im Karpatendorf Zarnesti verbracht. Schließlich ist er dort in Kontakt mit Christoph Promberger (38), dem Leiter des Carpathian Large Carnivore Project (CLCP), gekommen.
Promberger, gebürtiger Bayer und Forstingenieur, lebt seit acht Jahren in Zarnesti. Das CLCP-Projekt für Wolf, Bär, und Luchs, das sich dem Erhalt des natürlichen Lebensraums für Großräuber verschrieben hat, wird mittlerweile vom World Wildlife Fond (WWF International) unterstützt. In den Karpaten leben ca. 30 Prozent aller europäischen Luchse und Wölfe und mit circa 5.500 Tieren etwa 50 Prozent aller Bären Europas.
Derzeit wird ein Großraubtier-Informationszentrums eingerichtet, das ab 2004 jährlich eine sechsstellige Besucherzahl nach Zarnesti locken soll. Bestandteile des Informationszentrums sind ein Gebäude mit interaktiver Ausstellung, ein Lernstudio für Schulen und Universitäten, sowie ein Konferenzsaal. Nebenan werden in großzügigen Freigehegen Wölfe, Bären, Luchse, Rothirsche und Wildschweine zu beobachten sein. Finanziert wird das Informationszentrum von verschiedenen nationalen und internationalen Stiftungen, sowie unter anderem von der deutschen Bundesregierung. Mit Fertigstellung des Informationszentrums wird das Projekt für Promberger abgeschlossen sein. Gefragt, wohin es ihn als nächstes ziehe, meint der frischgebackene Familienvater "sicher nicht nach Deutschland, dort ist es mir zu eng".

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Für den Fortbestand des zunächst ausschließlich wissenschaftlich ausgerichteten CLCP-Projekts hat Promberger vorgesorgt. In Gefahr geraten die bisher erzielten Erfolge vor allem durch die rumänischen Bauern und Schafhirten, die ihre Schafe und Rinder durch Bären und Wölfe bedroht sehen. Und dies nicht zu Unrecht. Während bisher kein einziger Fall einer Gefährdung von Wanderern und Touristen bekannt geworden ist, werden Bauern oder Schafhirten bei der Verteidigung ihrer Viehbestände auch selbst immer wieder Opfer der Wildtiere. Promberger hat gemeinsam mit Kurmes Strategien entwickelt, um dem Auslegen von Drahtschlingen und Giftködern entgegenzuwirken.
Zum einen wurden die Bauern darin unterstützt, ihre Herden durch elektrische Zäune zu schützen. Zum anderen besuchen die von Kurmes betreuten Touristen Schafhirten, um direkt von ihnen frischen Schafskäse zu erwerben und so für neue Einnahmequellen zu sorgen. Im Rahmen des Tourismusprogrammes arbeiten inzwischen fünf Pensionen, eine Reiseagentur, ein Fahrradverleih, ein Reitstall, ein Cafe und ein Laden, der lokale Handwerksartikel verkauft. So sind in der Region etwa 150 Arbeitsplätze neu entstanden, zweifellos ein wichtiger Beitrag zur guten Nachbarschaft zu Wolf und Bär.

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